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Alarion
(9 Posts bisher)
22.05.2009 17:01 (UTC)[zitieren]
Der saar- und bliesländische Bildhauer Madersteck aus Bockenheim an der Saar wird vom Teufel geholt.


Im 18. Jahrhundert lebte in Bockenheim, dem heutigen Saarunion, eine überaus fruchtbare und künstlerisch hochstehende, einheimische Bildhauerfamilie: die Madersteck. „Marterstecken“ nennt sich indessen um 1710 das dortige Kirchenbuch. Auf einem Dorf- und Wegkreuz an der Schwemme von Ormesheim bei Saarbrücken, nennt sich ein ihnen Angehöriger „J. Martersteck, fecit 1753“. Es ist nicht ersichtlich ob er gerade der Bildhauer ist, von dem die vorliegende Sage berichtet, war es doch ein ganz anderes Künstlergeschlecht.
1733 hatte man am 4. Februar mit ihm und seinem Sohn „Jean Madersteck, sculptur et bourgeois de Bouquenom“ im Namen des kunstsinnigen Priors der Wilhelmiten, und späteren Generalprior des Ordens, Wilhelm Gouvy, aus der kulturtragenden lüttich-saarländischen Stahl- und Eisensippe, einen Vertrag geschlossen. Dieser Vertrag sah die künstlerische Ausschmückung der Wilhelmitenpriorei von Gräfinthal an der Blies vor, also für ein Werk, dessen wichtigste Teile heute in der Kirche in Reinheim aufbewahrt werden.
Überaus kostbares Holzschnitzwerk, das den Maderstecks zugewiesen werden muss, bewahren die katholischen Stadtkirchen von Bockenheim und Finstingen an der oberen Saar, auf. Auch in Reinheim legt eine treffliche Kanzel von der Bildhauerkunst dieser Barockmeister überragendes Zeugnis ab, deren Name Madersteck in die Kunstgeschichte Eingang fand, an Stelle des wohl richtigeren „Marderstecken“, wie das Geschlecht, das angeblich aus Holland an die Saar eingewandert ist, heißt.
Über ein Werk eines Madersteck, berichtet die Sage, die hier einmal der Kunstwissenschaft weiteren Aufschluss vermittelt:

Der Landgraf von Hanau-Lichtenberg (a. d. H. Hessen-Darmstadt, ein Verwandter des Hauses Nassau-Saarbrücken und Sprössling des alten Geschlechts der Grafen von Hanau-Lichtenberg, die als besondere Merkwürdigkeit schon früh eine eigene Kolonie in „Hanauisch-Indien“ besaßen), ließ seinen Schlossgarten in seiner elsässischen Residenz in Buchsweiler anlegen oder weiter ausschmücken. In seinem Dienst hatte er einen angeblich deutschen Bildhauer namens Marderstecken. Der war der Sage nach im Sinne der Barock unholden Zeit, nicht sehr kunstbegabt, dagegen aber ein Lüstling und Verschwender. Ausgerechnet ihn bestellte der Landgraf, um viele der Bildwerke zu fertigen, von denen jetzt nur noch einige wenige Trümmer vorhanden sind. Er setzte ihm eine Zeit fest, an der sie alle vollendet sein müssten, wen nicht der Bildhauer einen Teil des versprochenen Lohnes einbüßen wollte.
Marderstecken, der lieber den landgräflichen Hofdirnen oder dem Glas Käsberger nachgegangen sein soll, als sich mit seiner Arbeit zu beschäftigen, ließ eine Woche nach der anderen verstreichen, ohne Hand ans Werk zu legen. Als aber die eingeräumte Frist fast zu Ende war, begab er sich in seine Werkstätte, in der er sich Tag und Nacht verschloss. Von jener Zeit an stand allmorgendlich ein neues Bildwerk wirkungsvoll auf seinem Postament.

Man wusste aber wohl, das er mit dem Teufel einen Bund geschlossen hatte, und dieser mit ihm zusammenarbeite. Als die letzte Plastik fertig war, führte ihn der Böse, dem er seine Seele verschreiben hatte, in den Schlosskeller und erdrosselte ihn dort höchsteigenhändig. Deshalb muss dort dieser Marderstecken noch bis zum heutigen Tag umgehen.

(Quelle: Karl Lohmeyer: "Die Sagen der Saar" Ergänzungsband)

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